Russland exportiert täglich rund sieben Millionen Barrel Rohöl und raffiniertes Öl und ist damit nach Saudi-Arabien der zweitgrößte Rohölexporteur der Welt. Der größte Importeur russischer Ölprodukte ist die Europäische Union, die im April 2022 53 Prozent der gesamten russischen Ölexporte importierte. Für all das zahlten die Mitgliedsstaaten der Union Russland rund 300 Millionen Dollar pro Tag.

Wenn wir die Importe nach Mitgliedsland untersuchen, können wir das sehen

NIEDERLANDE, DEUTSCHLAND UND POLEN KAUFTEN DAS MEISTE RUSSISCHE ÖL. DIESE DREI LÄNDER IMPORTIEREN INSGESAMT ZWEI MILLIONEN BARREL PRO TAG, DAS IST 55 PROZENT DER IMPORTE DER UNION.

Für all das zahlen sie täglich 157 Millionen Dollar, was bedeutet, dass diese Länder mehr als die Hälfte der EU-Beträge an Russland für Öl zahlen.

Mittlerweile importieren die Länder der Region mit Ungarn, der Slowakei und Tschechien (also ohne Polen) insgesamt knapp 400.000 Barrel Öl pro Tag im Wert von rund 30 Millionen Dollar. Innerhalb der gesamten russischen Ölexporte macht dies nur 5,6 Prozent und rund zehn Prozent der russischen Ölimporte der EU aus.

Es ist daher besonders überraschend, welche Anstrengungen die Europäische Kommission unternimmt, um zu erreichen, dass diese Länder ihre eigenen nationalen Wirtschaftsinteressen im Wesentlichen ohne Zukunftsvision aufgeben.

Die verfügbaren Daten zeigen auch, dass ein erheblicher Teil der russischen Rohölexporte in die EU, etwa 80 Prozent, auf Tankschiffen und nur 20 Prozent per Pipeline ankommen. Berücksichtigt man zusätzlich raffiniertes Öl, ist der Anteil des Öls, das auf Tankschiffen ankommt, noch höher.

Wenn die Tanker geschlossen werden, gehen 80 Prozent der russischen Exporte in die EU verloren. Aus all dem lässt sich schließen, dass auch bei vollständiger Ausnahme Ungarns, Tschechiens und der Slowakei ein Großteil der europäischen Rohölexporte Russlands, fast 90 Prozent, unter das Embargo fallen könnten, so dass die Länder, die das russische Importverbot akzeptieren, könnten ihren Teil auf Tankern nachholen, wenn auch vermutlich viel teurer als zuvor aus russischer Quelle. Die Frage ist, wollen die betreffenden Länder dies wirklich tun oder nutzen sie das Embargo nur als Kommunikationsinstrument?

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Foto: AFP/David Mcnew